In den letzten Wochen habt Ihr eine Situation erlebt, die Lehrwerkautoren auch nicht unbekannt ist. Es gibt sehr viele spannende Themen, über die man sprechen/schreiben könnte, doch diese Themen sind teilweise sehr komplex und erfordern einen fortgeschrittenen Wortschatz. Heißt das, das diese Themen für Anfänger Tabu sind? Oder wie kann man als Lehrwerkmacher oder als Tutor ein komplexes Thema so aufarbeiten, dass es für Anfänger doch geeignet ist? Wie seid Ihr vorgegangen? Welche Strategien habt Ihr verwendet?
Diese Fragen haben wir in unserer letzten Sitzung behandelt. Ihr hattet sehr schöne Ideen und Vorgehensweisen. Ich möchte Euch bitten, diese hier im Forum (Kommentar) noch einmal zusammenzutragen.
Für die Abwesenden, für die Anwesenden und für die Nachwelt... :)
Mittwoch, 28. November 2007
Komplexe Themen für Anfänger
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7 Kommentare:
Ich finde nicht das Komplexe Themen für Anfänger tabu sind. Meistens sind es grade die komplexen Themen, die interessant sind. Sie müssen nur vom Wortschatz vereinfacht werden, sofern das bei z.B. politischen Themen möglich ist. Wichtig ist aber, dass sich der Lehrer/Tutor mit dem Thema sehr gut auskennt, um auf Rückfragen auch wirklich antworten zu können, denn grade bei komplexen Themen werden Anfänger viel nachfragen. Außerdem sollte man seine Lernergruppe sehr gut einschätzen können und es von ihr abhängig machen, ob man komplexe Themen behandelt oder nicht, damit man die Lernenden nicht überfordert oder sogar abschreckt. Deswegen würde ich sagen komplexe Themen können müssen aber nicht mit Anfängern behandelt werden.
Wenn ein Thema die Lernenden wirklich interessiert und betrifft, werden sie auch die erforderliche Motivation aufbringen, mit schwierigerer Sprache umzugehen. Die Komplexität kann und muss durch Verwendung einfacher Sprache reduziert werden, was eigentlich immer möglich ist. Dies hat allerdings auch seine Grenzen: Ein komplexes Thema kann nicht mit dem Wortschatz behandelt werden, den man z.B. nach Lektion drei im A1-Bereich hat, weil man so dem Gegenstand nicht gerecht wird. Ist der Sprachstand noch sehr gering, eignen sich manche Themen auch einfach noch nicht.
Den geschriebenen Text den anderen Gruppenmitgliedern laut vorlesen. Dabei fallen komplizierte Sätze etc.oft leichter auf.
Einem Daflerner den Text zum Lesen geben und seine Meinung einholen.
Komplexe Themen sollten trotz allem dem Sprachstand der Lerner angepasst sein. Natürlich wird es sich nicht vermeiden lassen, dass schwierige Vokabeln auftreten, doch vielleicht kann man das mit einfachen, kurzen Sätzen oder manchmal mit der direkten Übersetzung einzelner Wörter wieder ausgleichen. Es ist wichtig den Lernen bei schwierigen Texten hilfsbereit zur Seite zu stehen, ansonsten könnten sie sich schnell überfordert fühlen und aufgeben.
Man kann komplexe Themen in Teilbereiche aufteilen und zu diesen dann kurze Beiträge schreibt.
->Zu diesen kurzen Teil-Beiträgen kann man dann Fragen stellen, ob der Tutee das Geschriebene verstanden hat.
So hat der tutee den Vorteil, dass er keine Masse an Text hat, die er durcharbeiten muss.
In einem kürzeren Text lässt sich vielleicht besser mit einfachen Worten erklären, was gemeint ist.
Komplexe Themen könnten auch vereinfacht werden, indem man die Tutees mit Hilfe von mehreren einfachen Themen,die zuvor schon behandelt wurden,zu dem neuen,komplexen Thema hinführt und so evtl Zusammenhänge gefunden werden können. Das ganze könnte dann das Verstehen erleichtern.
Die Themen müssen einfach so gestaltet werden, dass sie für den Lerner interessant sind und er somit auch die nötige Motivation aufbringt, um sich mit einem komplexeren Thema auseinanderzusetzen.
Ich denke, dass es nicht sinnvoll ist Anfänger auf später zu vertrösten, wenn sie sich für ein Thema interessieren, dass sprachlich eigentlich zu komplex ist. Dies wirkt absolut demotivierend.
Es ist hilfreich, sich das Thema genau anzusehen und zu überlegen, wie man es strukturieren kann, um es dann in "kleinen Portionen" anzubieten.
So kann am Anfang erst einmal eine Begriffsklärung stehen, oder diese, wenn sie zu schwer ist, auch ersteinmal weggelassen werden. Vielleicht kann sie später auch wenn den Lernern selbst erarbeitet werden.
Die Progression sollte vom Einfachen zum Schweren sein. Der Inhalt sollte daher auf das wichtigste reduziert werden, um dann später vertiefend bestimmte Aspekte aufzuarbeite.
Hilfreich sind kleine Zusammenfassungen am Ende eines Unterpunktes, in denen das Wichtigste nocheinmal verkürzt aufgeführt wird. Dies kann in Stichworten gemacht werden.
Stellt sich das Thema am Ende immer noch als zu schwer heraus, kann es hilfreich sein, die wichtigsten Eckpunkte auf einer Sprache zu besprechen, die es den Lernern ermöglicht einen besseren Zugang zum Thema zu haben. An geeigneten Punkten kann dann wieder zur Zielsprache übergegangen werden.
Wir haben versucht, im ersten Beitrag einfaches Wortschatz zu verwenden. Er war auch verstänlich für unsere Tutees. Da sie uns im zweiten Beitrag eine "komplizierte" Frage gestellt haben, mussten wir auch etwas schwieriger vorgehen:)
Ich glaube, dass die Themen, die sie ausgewählt haben, sind einfach zu schwierig für das erste Jahr Deutschlernen.
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